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Einfach erklärt: Die zeitliche Abfolge bei Dividenden

Wer hat wann Anspruch auf eine Dividende?

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Unterschied bei deutschen und US-Aktien

Passend zur Dividendensaison konnte ich Benjamin vom Blog FREI & UNABHÄNGIG für eine Gastartikelserie zum Thema Dividenden gewinnen. Vor kurzem hat er uns die Grundlagen über diese Art der Gewinnbeteiligung näher gebracht.

 

Im weiteren Verlauf der Serie geht es noch um die steuerliche Behandlung von Dividendenzahlungen und die oft gehörte Aussage, dass Dividenden die neuen Zinsen sind, sowie um die Frage, ob Anhänger der Dividendenstrategie Opfer einer Milchmädchenrechnung sind.

  

Heute erfahren wir von Benjamin, wann man überhaupt Anspruch auf eine Dividende hat, wie das mit den Ausschüttungen genau abläuft und dass es gewisse Unterschiede zwischen Dividendenzahlungen von heimischen Unternehmen und US-Aktien gibt.

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Wer entscheidet über die Dividendenzahlung?

Ob und in welcher Höhe eine Dividende gezahlt wird, schlägt der Aufsichtsrat den Aktionären bei der Hauptversammlung vor. Diese entscheiden gemeinsam mit Mehrheit darüber, ob die Dividende angemessen ist.

 

Bist du Aktionär des Unternehmens, kannst du prinzipiell mit entscheiden. In der Praxis allerdings weicht die Hauptversammlung so gut wie nie von den Vorschlägen des Aufsichtsrats und der Geschäftsleitung ab. Trotzdem hast du entsprechend deiner Anteile ein Stimmrecht.

 

Bei deutschen Unternehmen findet die Hauptversammlung in der Regel einmal jährlich statt, bei amerikanischen Firmen hingegen häufig auch vierteljährlich.

 

Analog dazu zahlen amerikanische Unternehmen ihre Dividende oft auch vierteljährlich, was insbesondere für dich, wenn du auf ein regelmäßiges passives Einkommen aus bist, optimal wäre. 

 

 

Wie erfährst Du, wann Hauptversammlung ist und wann Dividende gezahlt wird?

Ich persönlich plane gerne im Voraus. Ich möchte vorab wissen, wann ein Unternehmen Dividende zahlt. Hierfür empfehle ich dir, deinen eigenen Dividendenkalender zu erstellen.

 

Finde heraus, wann deine Unternehmen Dividende zahlen und erstelle einen Jahreskalender. Dies ist insbesondere dann sinnvoll, wenn Du planst, irgendwann von deinen Dividenden leben zu können.

 

Aber woher bekommst du nun die Information, wann die Hauptversammlung (kurz HV) stattfindet und wann die Ausschüttung auf dein Konto erfolgt?

 

Wenn du bereits Aktionär bist, wirst du in der Regel per Post von deinem Broker informiert. Dies ist nach meinem Kenntnisstand bei allen in Deutschland ansässigen Unternehmen der Fall.

 

Bist du noch kein Aktionär und gerade auf der Suche nach potentiellen Unternehmen? Oder möchtest du einfach wissen, wann deine Dividenden für das fortlaufende Jahr reinkommen? Dann empfehle ich dir unbedingt folgende Vorgehensweise. Diese Vorgehensweise ist insbesondere auch für US Firmen geeignet.

 

Viele Unternehmen haben nämlich speziell für Investoren eine eigene Rubrik auf ihrer Homepage, wo du alle wichtigen Informationen abrufen kannst. Google einfach den Firmennamen und füge „Dividend Information“ an. Suche alternativ auch nach Firmennamen und „Dividend History“ sowie „Investor Relations“.

 

Natürlich findest du viele dieser Informationen auch auf diversen Finanzseiten wie zum Bespiel FINANZEN.NET. Dort findest du unter anderem alle Hauptversammlungs-Termine sowie die vergangenen Dividendenzahlungen der DAX Unternehmen.

 

Meiner Erfahrung nach ist aber die Suche nach amerikanischen Firmen oft schwierig. Zumindest hatte ich bisher Probleme, zuverlässig an die korrekten Daten zu kommen. Deshalb empfehle ich dir, dich lieber direkt über die Firmen Homepage zu informieren. Ich persönlich nutze immer die Firmen Homepage, statt mich auf irgendeine Finanzseite zu verlassen. Wo, wenn nicht da, findest du immer die korrekten Daten?!?

 

 

Wann musst du eine Aktie kaufen, um die Dividende zu erhalten?

Lass uns aber nun auf die zeitliche Abfolge einer Dividendenzahlung zu sprechen kommen. Für die meisten ist das die wichtigste Information. Denn letztlich willst du wissen, wann du Anspruch auf deine Dividende hast. Wann musst du eine Aktie kaufen, um von der nächsten Dividendenzahlung zu profitieren?

 

Zu unterscheiden sind hier ganz klar deutsche Unternehmen von US-Firmen. Wie bereits beschrieben, findet bei deutschen Unternehmen die Hauptversammlung meist einmal jährlich statt.

 

Um dir das Ganze möglichst praxisbezogen näher zu bringen, habe ich mir als deutsches Unternehmen die Firma SAP rausgesucht. Der Termin der Hauptversammlung war im vergangenen Jahr der 10. Mai 2017. Alle nötigen Informationen stammen von der Firmen Homepage. Du findest sie, wenn du wie oben beschreiben vorgehst, auf "Veranstaltungen" navigierst und dir die Tagesordnung der "ordentlichen Hauptversammlung" anschaust.

 

 

freaky finance, Dividenden, SAP-Hauptversammlungstermin 2017

 

 

Bei deutschen Unternehmen ist für dich als Anleger insbesondere ein Datum wichtig. Nämlich das Datum der Hauptversammlung. An diesem Tag wird über die Dividende entschieden. Und an diesem Tag ist auch die Deadline, ob du die nächste Dividende erhältst oder nicht.

 

Möchtest du also an der nächsten Dividende teilhaben, reicht es, wenn du am Tag der Hauptversammlung Aktien des besagten Unternehmens kaufst. Bezugnehmend auf das Beispiel hättest du also spätestens am 10. Mai 2017 zum Handelsschluss SAP Aktien in deinem Depot haben müssen.

 

Am ersten Handelstag nach der Hauptversammlung liegt das sogenannte Ex Dividend Date. Aber was hat es damit auf sich? Ganz einfach: Die Aktie wird ab diesem Tag ohne (Ex) Berechtigung auf die beschlossene Dividende gehandelt. Anleger, die an diesem Tag einsteigen, haben keinen Anspruch auf diese Dividende und müssen sich mit der Dividende im nächsten Jahr oder Quartal zufrieden geben. 

 

 

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Und nicht nur das: Wenn du dir den Kursverlauf auf der Grafik anschaust, wirst du feststellen, dass der Kurs der Aktie nach dem Tag der Hauptversammlung „eingebrochen“ ist. Was ist aber der Grund dafür? Um die Hintergründe zu verstehen, müssen wir kurz das Thema Dividendenabschlag zwischenschieben.

 

 

Der Dividendenabschlag

Am Tag der Hauptversammlung wird Bilanz gezogen, wieviel Gewinn innerhalb des Geschäftsjahres gemacht wurde. Der Aktienkurs bildet den Wert des Unternehmens inklusive dieser Gewinne ab. Zahlt ein Unternehmen einen Teil des Gewinns als Bar-Dividende an seine Aktionäre, dann fehlt dieser Wert buchstäblich dem Unternehmen.

 

Anleger, die erst am Ex-Div-Tag einsteigen und somit keinen Anspruch auf die Bar-Dividende haben, bewerten demnach die Aktie um den Wert der Dividende geringer. Sie wissen, dass sie die Dividende nicht bekommen und dass das Unternehmen nun physisch (um den Betrag der Ausschüttung) weniger wert ist.

 

Der Dividendenabschlag wird demnach nicht von der Börse oder dem Unternehmen gesteuert, sondern ergibt sich durch die zukünftigen Anleger, die für die Aktie nun weniger bezahlen möchten und ihre Order entsprechend anpassen. Letztlich entsteht der neue Preis also wie immer durch Angebot und Nachfrage.

 

Der Aktienkurs wird deshalb nicht zwingend exakt um den Wert der Dividendenzahlung korrigieren. Vielmehr kann je nach Marktlage ein positiver Trend den Dividendenabschlag komplett unkenntlich machen oder bei negativem Trend sogar noch verstärken. 

 

 

Wann ist Zahltag? Wann bekommst du endlich die Dividende auf dein Konto?

Früher wurde die Dividende in Deutschland schon am Tag nach der Hauptversammlung (Ex Div Tag) ausgezahlt. Diese Zeiten sind vorbei. Seit 2017 ist der dritte Bankarbeitstag nach der Hauptversammlung der frühestmögliche Auszahlungstermin. Liegt ein Wochenende oder Feiertag dazwischen, verlängert sich die Frist entsprechend.

 

Abweichend hiervon könnte sogar im Rahmen der Hauptversammlung eine noch spätere Fälligkeit festgelegt werden. In unserem Beispiel zahlt SAP hingegen direkt 3 Tage zum frühstmöglichen Termin am 15. Mai (Wochenende dazwischen). Verlass dich aber nicht darauf, sondern informiere dich auf der Homepage, wann die Kohle tatsächlich auf deinem Konto landet.  

 

 

Wie ist die zeitliche Abfolge bei Aktien aus den USA?

Bei Unternehmen, die in den USA ansässig sind, ist das Ganze etwas komplexer. Deshalb habe ich auch für diesen Fall exemplarisch ein Unternehmen rausgesucht. Ich hoffe, das macht das Ganze etwas anschaulicher. Im Folgenden möchte ich dir eine Quartalsausschüttung der Firma Johnson & Johnson zeigen.

 

Wieder stammen die Daten aus 2017 direkt von der Firmenhomepage. Wenn du wie oben beschrieben vorgehst, findest du eine Übersicht mit allen wichtigen Daten. Die Tabelle kannst du in der nachfolgenden Grafik oben links über dem Kursverlauf erkennen. Als Beispiel habe ich den gelb markierten Zeitraum April bis Juni gewählt.

 

 

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Wichtig zu wissen sind natürlich die englischen Begrifflichkeiten: Der Tag der Hauptversammlung und die Beschließung über eine Dividende wird bei US Firmen mit Declared Date bezeichnet. An diesem Tag wird quasi die Dividende deklariert beziehungsweise angegeben. In unserem Beispiel war das der 27. April 2017.

 

Erst am 25. Mai, also circa einen Monat später, liegt das Ex Div Date. Dieser Termin wurde so festgelegt und bereits im Voraus am Declared Date bekannt gegeben. Du hast also keine Ausreden, diesen wichtigen Termin zu verpassen.

 

Warum ist der Termin Ex Div Date so wichtig? Ganz einfach: An dem Tag vor dem Ex Div Date musst du spätestens die Aktie zu Handelsschluss in deinem Depot haben. Andernfalls wirst du an der nächsten Dividendenzahlung nicht teilhaben. Dies macht den Unterschied zu deutschen Unternehmen. Du solltest dir also dringend merken:

 

Bei deutschen Firmen ist der Termin der HV wichtig. An diesem Tag musst du die Aktie im Depot haben.

 

Bei US-Firmen hingegen ist der Termin ein Tag vor dem Ex Div Date wichtig. Dieser Tag ist quasi deine Deadline.

 

 

In unserem Beispiel ist das Ex Date der 25. Mai. Demzufolge musst du spätestens am 24. Mai die Aktie besitzen.

 

Ein weiterer Unterschied ist das sogenannte Record Date. An diesem Tag wird überprüft, wer die Aktie rechtzeitig im Depot hatte und demnach Anspruch auf die Dividende hat. Der Tag liegt meist 2-3 Tage nach dem Ex Div Date. Für dich als Anleger ist das Record Date allerdings eher uninteressant. Merk dir einfach als Deadline den Tag vor dem Ex Div Date. Dann bist du definitiv auf der sicheren Seite.

 

Aber kommen wir nun zum Auszahlungstermin (Payable Date) - dem Tag, an dem du das Geld auf dein Konto bekommst. Auch dieser Termin wird direkt am Anfang bekannt gegeben. Leider sind es aber nicht, wie bei deutschen Unternehmen, nur 3 Tage, sondern mehrere Wochen.

 

Wie du der Grafik entnehmen kannst, wurde die Dividende am 27. April beschlossen und erst am 13. Juni ausgezahlt. Dazwischen liegen fast 7 Wochen des Wartens. Du siehst also den Unterschied zu deutschen Unternehmen.

 

Nichtsdestotrotz darfst du nicht vergessen, dass amerikanische Unternehmen meist quartalsweise Dividende zahlen. Von daher relativiert sich das Ganze wieder.

 

Angenommen du bist Aktionär und weißt endlich, wann die Dividende auf deinem Konto landet. Voller Vorfreude wartest du auf diesen Tag. Entsprechend deiner Aktienanteile hast du dir sogar den Betrag ausgerechnet, den du kriegen solltest. Doch dann kommt die Ernüchterung. Die ausgezahlte Dividende fällt auf deinem Konto niedriger aus als vermutet.

 

Warum? Auch der Staat will seinen Teil vom Kuchen abhaben. Dein freundlicher Broker hat deshalb den zu versteuernden Anteil direkt ans Finanzamt abgeführt. Ist das nicht toll? Achtung: Rhetorische Frage ;)

 

Im nächsten Teil dieser Artikelserie möchte ich deshalb noch auf die steuerlichen Aspekte von Dividenden eingehen. Bis dahin wünsche ich allen "Happy Earnings"!

 

 

Medienempfehlungen

In dieser Ausgabe des Formats Echtgeld TV geht es auch um Dividenden. Hier wird die Performance von verschiedenen auf Dividenden fokussierten Fonds und ETFs vorgestellt - sehr interessant!

 

 

Dividenden-Aktien sind die neuen Immobilien! Und funktionieren fast genauso: Wer eine Immobilie besitzt und regelmäßige Mieteinnahmen hat, den kümmert es wenig, ob der Wert der Immobilie schwankt, denn solange man sie nicht verkaufen möchte, spielt es keine Rolle. Nicht anders funktionieren Dividenden-Aktien: Wer eine Aktie besitzt und dafür regelmäßig – noch dazu oft jährlich steigende – Dividenden kassiert, für den spielt es keine Rolle, ob die Aktie an der Börse unterschiedlich bewertet ist – solange man sie nicht verkaufen möchte. Noch dazu fallen bei einer Aktie keine Unterhalts- oder Instandhaltungskosten an. Die Dividenden-Aktie ist also nicht nur die neue, sondern die bessere Immobilie!

 

 

 

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Über den Gastautor

Und bei dir so?

Erfreust du dich auch an der Dividendensaison? Kanntest du die Unterschiede bei deutschen und US-Dividenden? Welche Werte sind deine persönlichen Dividendenfavoriten, und welche Aktie bringt dir die meiste Dividende ein?

 

Ich freue mich auf deine Kommentare und Fragen!  

 

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Titelbild: © Markus Spiske (CCO Creative Commons; bearbeitet von V.  Willkomm)


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