Auswirkungen des Verbots für "Payment for Orderflow" ab 1. Juli
Gastartikel auf freaky finance
Heute gibt es einen besonderen Beitrag für euch. Der Artikel stammt diesmal nicht direkt von mir, sondern von Henrik Heindl, einem „Dividenden-Portfolio-Experten“ der Community „Eine Stunde Freiheit“.
Henrik beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit Dividenden-Aktien, Depotaufbau und Cashflow-Strategien. Gemeinsam betreuen wir bereits als Experten-Duo ein Musterdepot innerhalb der Community und tauschen uns regelmäßig in Live-Calls mit Anlegern aus.
Da unsere Investment-Philosophien sehr ähnlich sind, werdet ihr Henrik künftig häufiger hier auf freaky finance lesen.
Sein erster Beitrag behandelt ein Thema, das viele Privatanleger betreffen dürfte: Das mögliche Ende der 1€-Trades durch das Verbot von Payment for Order Flow (PFOF).
Neobroker unter Druck: Was das PFOF-Verbot 2026 bedeutet
Geschichte wiederholt sich, ein Hamburger und ein Wiener machen gemeinsame Sache. Aber dieses Mal wird keine Musik gemacht, es werden Dividenden kassiert!
Mein Name ist Henrik Heindl, und ich freue mich sehr, künftig hier auf freaky finance Beiträge rund um Dividenden-Aktien, Depotstruktur und langfristigen Vermögensaufbau zu veröffentlichen. Für meinen ersten Artikel habe ich mir ein Thema ausgesucht, das vermutlich fast jeden Privatanleger betreffen wird.
Am 1. Juli 2026 tritt eine neue EU-Verordnung in Kraft, die sich auf viele Privatanleger negativ auswirken könnte. Es ist die Verordnung (EU) 2024/791, insbesondere der Artikel 39a dieser Verordnung.
Dieser Artikel verbietet die Rückvergütung (Payment For Order Flow (PFOF)), die Handelsplätze den Neobrokern zukommen lassen. Neobroker oder auch App-Broker sind Anbieter von digitalen Finanzdienstleistungen, die meist keine oder nur sehr geringe Gebühren für die Ausführung von Orders der Kunden verlangen. Sie haben im Gegensatz zu klassischen Banken auch keine Filialen. Prominente Beispiele hierfür sind Scalable Capital oder Trade Republic.
Was ist Payment for Order Flow? Wie verdienen Neobroker Geld?
Die Neobroker-Apps leiten die Aufträge der Kunden an Marketmaker weiter, die ihnen dafür eine Provision bezahlen. Der Broker verdient also am Handelspartner, an den er den Auftrag weiterleitet, nicht primär am Kunden.
Diese Provision, die Rückvergütung genannt wird, finanziert der Marketmaker aus dem Spread, also der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs, den der Kunde bezahlt.
Das führt dazu, dass der Kunde keine oder eine nur sehr geringe Ordergebühr bezahlt. Der Spread, den der Kunde bezahlt, variiert und hängt von Handelszeit und Handelsvolumen der jeweiligen Aktie ab.
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Warum verbietet die EU Payment for Order Flow?
Die Kritik daran ist, dass für Kunden nicht ersichtlich ist, ob der Neobroker ihre Order an jenen Marketmaker weiterleitet, der die günstigste Ausführung gewährleistet. Denn gem. Art.27 der MiFID II (Richtlinie 2014/65/EU) („Markets in Financial Instruments Directive“), der die Überschrift „Verpflichtung zur kundengünstigsten Ausführung von Aufträgen“ trägt, sind die Anbieter zu ebendieser Ausführung verpflichtet.
Um diesem Gebot der kostengünstigsten Ausführung Rechnung zu tragen, soll die neue Verordnung (EU) 2024/791 das „Payment For Order Flow (PFOF)“ nun endgültig verbieten.
Was bezweckt das Verbraucherrecht eigentlich?
Der eigentliche Sinn und Zweck des Verbraucherrechts ist so positiv, wie er auch simpel ist. Das Verbraucherrecht soll den Verbraucher, der Geschäfte mit einem Unternehmer schließt, der in dem Tätigkeitsbereich erfahren ist, schützen.
Damit soll eine Übervorteilung aufgrund eines Informationsungleichgewichts verhindert werden. Außerdem ist der Verbraucher, zumindest in den meisten Fällen, dem Unternehmer wirtschaftlich unterlegen
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BaFin Studie (2022) – wie wirkt sich Payment for Order Flow auf den Verbraucher aus?
Laut einer Studie der BaFin („Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht“) aus dem Jahr 2022, die untersuchte, wie sich das PFOF auf die Verbraucher auswirkt, ist dieses Vergütungsmodell für die Verbraucher aber überwiegend positiv oder zumindest gleichwertig.
Bei DAX-Aktien („Deutscher Aktien Index“) waren die Ergebnisse in 24 % der Fälle besser und in 47 % der Fälle ähnlich. Bis zu einem Transaktionsvolumen von 2.000 € war es sogar in 28 % der Fälle besser und in 53 % der Fälle zumindest ähnlich.
Bei Nicht-DAX-Aktien war es ebenfalls in 24 % und in 28 % der Transaktionen bis 2.000 € besser für die Anleger. Ähnlich waren die Kosten für Anleger hier in 39 % der Fälle und in 42 % der Fälle bei Transaktionen bis 2.000 €.
Ist das Verbot ein unnötiger Eingriff in die freie Marktwirtschaft?
Was ich beim Betrachten dieser Studie sehe, ist also ein System, das im „schlechtesten Fall“ für die Anleger in 63 % der Fälle besser oder zumindest gleichwertig war.
Einen wichtigen Punkt, der beim Rückgriff auf diese Studie und beim Plädoyer gegen dieses Verbot immer wieder vergessen wird, dürfen wir hier meiner Meinung nach nicht außer Acht lassen, denn es gibt unzählige Banken, die kein PFOF betreiben, also keine Rückvergütung bekommen. Sollte ein Verbraucher das Gefühl haben, schlechter gestellt zu sein oder die traditionelle Bezahlung pro Order vorziehen, kann er jederzeit zu einem Anbieter wechseln, der exakt dieses Modell anbietet.
Die Verbraucher werden also mit dieser Verordnung nicht vor dem „schlechten und intransparenten“ System gerettet, es wird ihnen lediglich die Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Vergütungsvarianten für ihren Anbieter genommen. Die Angebotsvielfalt wird reduziert, die Auswahl eingeschränkt und damit erheblich regulatorisch in bestehende Marktstrukturen eingegriffen.
Was könnte das für Anleger bedeuten?
Zum einen ist die Reaktion des Marktes zu betrachten, also wie Anbieter auf die neue Regelung reagieren. Diese haben nämlich damit begonnen, eigene Handelsplätze (sogenannte Closed-Loop-Modelle) zu betreiben. Damit wird die Ausgangslage für die Verbraucher aber noch intransparenter.
Ein kritischer Punkt dieser Entwicklung ist die drohende Marktkonzentration. Nur sehr große Unternehmen verfügen über die finanziellen Mittel für eine eigene Banklizenz oder den Aufbau komplexer Handelsstrukturen. Kleinere Konkurrenten könnten diesem regulatorischen Druck nicht standhalten.
Sollten die kleinen Anbieter vom Markt verschwinden, führt das zu einer Verknappung des Angebots. Weniger Wettbewerb war historisch gesehen selten ein Vorteil für den Verbraucher. Ohne den Druck durch innovative Neulinge könnten die verbleibenden Marktführer die Gebühren in einigen Jahren unter anderen Vorwänden doch noch anheben.
Außerdem, wenn man die Studie der BaFin aus dem Jahr 2022 betrachtet, könnte man der EU unterstellen, dass mit dieser neuen Regelung nur Kleinanleger benachteiligt werden. Denn der durchschnittliche Verbraucher wird vermutlich nicht regelmäßig Trades für einige Tausend Euro abwickeln.
Wie reagieren Scalable Capital und Trade Republic?
Die großen Akteure am Markt bereiten sich bereits seit längerer Zeit auf diesen Einschnitt vor. Die Befürchtung, dass die „Ära der 1€ Trades“ endet, ist daher vermutlich unbegründet. Die Strategien zur Kompensation der wegfallenden Einnahmen sind vielfältig.
Scalable Capital nutzt beispielsweise den Handelsplatz European Investor Exchange (EIX) an der Börse Hannover. Das Unternehmen verdient hier nicht mehr an einfachen Rückvergütungen, sondern profitiert von der eigenen technischen Einbindung und der dortigen Preisgestaltung.
Trade Republic geht einen ähnlichen Weg. Das Unternehmen hat eine eigene Lizenz für ein multilaterales Handelssystem erhalten. Damit rückt der Anbieter selbst in die Rolle eines Betreibers von Infrastruktur. Die Abhängigkeit von externen Partnern sinkt dadurch massiv, die Erträge bleiben innerhalb des eigenen Unternehmens.
Ein weiterer Faktor ist die massive Ausweitung der Bankdienstleistungen. Da die führenden Anbieter inzwischen über Vollbanklizenzen verfügen, nutzen sie klassische Methoden der Ertragsgenerierung. Dazu gehört vor allem die Zinsmarge auf die Guthaben der Kunden. Auch die Vergabe von Wertpapierkrediten stellt eine lukrative Einnahmequelle dar. Kostenpflichtige Abomodelle mit Zusatzfunktionen bringen ebenfalls planbare Beträge ein, die den Wegfall der Rückvergütungen abfedern können.
Werden 1 €-Trades verschwinden?
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Ein Euro Trades vorerst erhalten bleiben dürften. Die Branche wandelt sich jedoch von einer reinen Vermittlung hin zu einem integrierten Bankmodell. Ob die Preise langfristig stabil bleiben, könnte entscheidend davon abhängen, ob trotz der hohen Hürden genügend Wettbewerb im Markt bestehen bleibt.
Über den Autor
Henrik Heindl ist Dividenden-Investor und Teil der Community „Eine Stunde Freiheit“. Gemeinsam mit Vincent betreut er dort als „Dividenden-Portfolio-Experte“ ein Musterdepot und analysiert regelmäßig Dividenden-Aktien und Cashflow-Strategien.
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Und du so?
Was hältst du von dem Verbot für das Payment for Orderflow?
Rechnest du dadurch mit konkreten Veränderungen in der Neobroker-Landschaft?
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Romy (Samstag, 23 Mai 2026 21:03)
Interessanter Artikel, ich bin gespannt wie es sich entwickelt.
Vincent (Sonntag, 24 Mai 2026 10:48)
Hallo,
definitiv. Vielen Dank für dein Feedback.
Wir werden es beobachten und bald ist es ja schon soweit.
Mal sehen, was sich dann tut!
Beste Grüße
Vincent
Hinweis (Sonntag, 24 Mai 2026 20:32)
"Scalable Capital nutzt beispielsweise den Handelsplatz gettex an der Börse Hannover."
gettex ist München. Es ist vermutlich die European Investor Exchange (EIX) gemeint.
=> https://help.scalable.capital/handeln-1541d52f/was-ist-die-european-investor-exchange-68e3754a
Vincent (Sonntag, 24 Mai 2026 21:09)
Ja, natürlich.
Danke für den Hinweis.
Ich habe es im Text korrigiert.