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Schulden - Teil 3 der Artikelserie zum Thema

Der richtige Umgang mit dem Dispo

Grundlagen zum Thema Schulden - Teil 3 Selbstständiger Vermögensaufbau mit dem Ziel der finanziellen Freiheit.

In den ersten beiden Artikeln dieser Serie zum Thema Schulden habe ich bereits über die Grundlagen und über Konsumschulden geschrieben.

 

Wie angekündigt, möchte ich in diesem Artikel nun näher auf den Dispositionskredit eingehen.

 

Was verbirgt sich überhaupt hinter dem Begriff Dispo? Wofür solltest du ihn wirklich nutzen? Und was sind eventuell sinnvolle Alternativen?

 

Dazu gibt es noch einen cleveren Tipp von mir.

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Was ist ein Dispositionskredit?

Dispo hat sich als Abkürzung für Dispositionskredit eingebürgert. Das wiederum ist ein Angebot seitens deiner Bank auch über Geld zu verfügen, wenn dein Konto leer ist.

 

Bei Inanspruchnahme eines Dispositionskredites kannst du also mehr Geld ausgeben, als du hast. Umgangssprachlich gehst du mit deinem Konto „ins Minus“. In der Regel ist die Höhe des Dispos aber bei maximal 3 Monatsgehältern gedeckelt. Eine ausführliche Erklärung findest du hier.

 

Aber immerhin. Wie geil ist das denn?

 

Geld verbraten, das dir nicht gehört und die Bank will es nicht mal zu einem bestimmten Zeitpunkt von dir zurück haben, da es keine vereinbarte Laufzeit für diese Art von Krediten gibt.

 

 

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Zitat zum Thema Geld leihen. Screenshot von der Seite www.aphorismen.de

Dispositionskredit - ein teurer Spaß

Du ahnst es bereits: Natürlich hat die Sache einen Haken!

 

Die Bank kassiert Geld, wenn du das Angebot annimmst und dein Konto überziehst. Du musst mehr zurückzahlen, als du dir geliehen hast.

 

Zinsen. Und grad beim Dispo sind diese extrem hoch. Wenn du Glück hast verlangt die Bank „nur“ etwas über 4% (eher selten; und wer hat schon ein Konto bei der Skatbank?!?) aber es gibt genug Institute, die in dem Bereich viel teurer sind und bis zu 14% Zinsen für Dispositionskredite kassieren. 

 

Im Schnitt liegen die Dispozinsen in Deutschland laut der folgenden Grafik bei über 8%. Zwar ist dieser Wert in letzter Zeit etwas gesunken, was mit der Niedrigzinsphase zusammen hängt (du erinnerst dich: gefühlt bekommst du ja auch monatlich eine Mitteilung, dass die Zinsen für dein Tagesgeldkonto gesenkt werden). 

 

Und im Vergleich zum Baltikum und der Iberischen Halbinsel sieht es bei uns geradezu moderat aus. Aber ich finde über 8% Zinsen trotzdem krass!

 

   

Infografik: Durchschnittliche Überziehungszinsen in ausgewählten Ländern der Eurozone | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Diese Zinsen werden dann regelmäßig und automatisch von dem entsprechenden Konto abgebucht, während die geliehene Summe selbst wie gesagt nicht aktiv von der Bank zurückgefordert wird.

 

Schließlich verdient sie daran spitzenmäßig. Für den Verbraucher ist das ein teurer Spaß. Trotzdem kenne ich genug Leute, für die es normal ist, JEDEN MONAT den Dispo in Anspruch zu nehmen!

 

 

Führe ein Haushaltsbuch und finde den Fehler

Nimmst du auch regelmäßig deinen Dispo in Anspruch?

 

Dann gilt es zunächst rauszufinden warum. Bzw. wohin das Geld fließt, das du eigentlich nicht hast. Wieviel gehst du im Schnitt in die Miesen? Für was gibst du dein Geld aus? Welche Ausgaben davon kannst du kürzen oder bestenfalls ganz vermeiden?

 

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Geld holen - auch wenn das Konto leer ist

Zumindest eine Zeit lang Haushaltsbuch (oder App) führen hilft dir dabei, den Geldabflüssen auf die Spur zu kommen. Das kann ein echter Augenöffner sein!

 

Im Normallfall sollte es möglich sein, dass du deine Ausgaben soweit kürzt, dass der Dispo nicht mehr oder wirklich nur noch in NOTFÄLLEN genutzt  werden muss.

 

 

Wofür du den Dispokredit wirklich nutzen solltest

Gibt es partout keine Chance, das in den nächsten 3 Monaten zu erreichen, oder du bist eigentlich gar kein Dispojunkie und rutscht wirklich durch einen Notfall ins Minus (Beispiel: Dein Auto benötigt eine teure Reparatur aber du bist darauf angewiesen, um zur Arbeit zu kommen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das in deinem Fall nicht möglich), verfügst aber nicht über die Mittel das entstandene Minus auf dem Konto demnächst zu tilgen.

 

Wenn also wirklich alle Stricke reißen und du nach sorgfältiger Prüfung aller Optionen zu der Erkenntnis gelangst, dass du so schnell nicht mehr aus dem Dispo rauskommst, solltest du prüfen, ob ein Ratenkredit nicht günstiger für dich ist.

 

Der Dispokredit ist dafür gedacht, KURZFRISTIGE Ausreißer ins Minus zu überbrücken. Die Zinsen, die du dafür an die Bank zahlen musst sind normalerweise deutlich teurer als bei einem Ratenkredit. Dann macht es

also Sinn umzuschulden.

 

Wichtig ist mir noch einmal deutlich zu machen, dass ich dir hier nicht dazu rate einen Ratenkredit aufzunehmen, um deinen Konsumrausch zu finanzieren. Es geht hier um das kleinere Übel im NOTFALL.

 

Wie ungeil Ratenkredite sind, wenn man damit nicht wirklich grad einen Notfall bekämpfen muss, kannst du bei Pascal von fyoumoney nachlesen. Er hat letztens seinen Award „F*ck You der Woche“ an die Targobank verliehen.

Nicht ohne Grund für deren „Wie für mich gemacht Kredit“.

  

 

Ratenkredit als Alternative im Notfall

Den Ratenkredit nimmst du bitte nicht sofort bei deiner Hausbank auf. Das ist oft nicht der günstigste Anbieter für einen solchen Kredit.

 

Also prüfst du erstmal den Markt. Dazu musst du wissen wie hoch der Kreditbetrag sein soll und über welchen Zeitraum du diesen geliehenen Betrag zurückzahlen kannst.

 

Klar ist: Je weniger Geld du dir leihen musst und je schneller du es zurückzahlen kannst, desto besser sind die Konditionen für dich. Du zahlst dann insgesamt weniger Zinsen an die Bank. Sondertilgungen sind bei Ratenkrediten übrigens normalerweise jederzeit und kostenlos möglich.

 

Je schneller du tilgen möchtest, desto höher sind aber natürlich die monatlichen Raten mit denen du Zins und Tilgung bedienen musst. Die beiden Komponenten Kredithöhe und Laufzeit solltest du also möglichst realistisch einschätzen können. Diese Parameter gibst du in Vergleichsrechner für Ratenkredite ein. Z. B. bei Tarifcheck* oder Smava*.

 

Die 3 günstigsten Anbieter siehst du dir genauer an. Die Konditionen, die der Vergleichsrechner ausspuckt, können sich nach Prüfung deines individuellen Falles noch ändern.

 

Die Ergebnisse gelten quasi nur für Kunden mit Idealbedingungen. Die gibt es aber eigentlich nicht, denn sonst müssten Sie ja keinen Kredit aufnehmen. Bankenlogik…

 

Geh also erst einmal davon aus, dass die angezeigten Konditionen sich noch ändern. Und zwar nicht zu deinen Gunsten. Am Ende gewinnt immer die Bank!

 

 

Eine Bank ist ein Ort, an dem man Geld geliehen bekommt, wenn man nachweisen kann, dass man es nicht braucht.“

 

          Bob Hope

          amerikanischer Schauspieler   

          * 29. Mai 1903   27. Juli 2003          

 

 

Um deine genauen Konditionen zu erfahren gehst du wie gesagt bei den 3 günstigsten Anbietern ins Detail. Folge dafür den Anweisungen, die die Anbieter jeweils vorgeben.

 

Wenn du die individuellen Angebote für deinen Fall hast, kommt die Stelle wo du nun doch noch deine Hausbank nach einem vergleichbaren Angebot fragst. Jetzt bist du schließlich in der Lage, auch dieses Angebot einzuordnen.

 

Und wenn du das Geld dann immer noch brauchst, weil keins vom Himmel gefallen ist (wird zwar diskutiert aber die EZB ziert sich noch etwas mit dem Helikoptergeld loszulegen), kannst du bei dem günstigsten Anbieter zuschlagen.

 

 

"freaky finance" Expertenrat

In der Folge wirst du über die Kreditlaufzeit, einen monatlichen Betrag zur Abzahlung des Kredites aufwenden.

 

Mein Rat: Irgendwann hast du die letzte Rate gezahlt und bist schuldenfrei. Jetzt fängst du mit dem schwachsinnigen Konsumwahn nicht etwa von vorne an, sondern: Du hast dich mittlerweile dran gewöhnt, dass das Geld für den Kredit von deinem Konto abgeht.

 

Nutze diese Tatsache und zahle fortan den gleichen Betrag (oder wenn es dir finanziell möglich ist auch gerne mehr) monatlich auf ein Tagesgeldkonto ein bis du dir einen Notgroschen angespart hast, mit dem du dich sicher vor den nächsten kleinen Katastrophen fühlst.

 

Hat dieses Notfallpolster dein Wohlfühlniveau für künftige Katastrophen (Autoreparatur, kaputte Waschmaschine, etc.) erreicht, solltest du anschließend die weiteren Sparraten in einen Wertpapiersparplan investieren.

 

Klingt super, oder?!?

 

Und ich sage dir, dann macht das Ganze auf einmal Spaß :)

  

 

So geht es weiter

Soviel zum Thema Dispo und Ratenkredit. Im nächsten und vorerst letzten Artikel der Schuldenserie vergleiche ich Konsumgüter und Vermögenswerte, stelle Konsum- und Investmentschulden gegenüber und erkläre dir warum letztere manchmal auch „gute Schulden“ genannt werden.

 

Selbstverständlich greife ich Themen wie Notgroschen und Wertpapiersparpläne noch in gesonderten Artikeln auf.

 

Bleib also geduldig und gespannt. Wenn dir das oder eine andere Finanzthema jetzt schon unter den Nägeln brennt schicke mir deine Frage gerne über mein Kontaktformular.

 

Ich will deinen Vermögensaufbau ja nicht bremsen sondern mit frischem Wind beflügeln. Also, trau dich! Ich freue mich auf deine Fragen!

 

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Hast du Erfahrungen mit Dispo- oder Ratenkrediten? Teile diese unbedingt mit uns in den Kommentaren!

 

 

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Titelbild: pixabay.com © 1820796 (CC0 Creative Commons; bearbeitet von V.  Willkomm)

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Kommentare: 2
  • #1

    Manuela (Samstag, 14 Januar 2017 08:35)

    Hi Vincent,
    wieder ein super gelungener Artikel. Ich persönlich muss sagen, hab mich damit noch nie beschäftigt, da es für mich undenkbar ist, diesen auch nur annähernd zu nutzen. Dafür hab ich mein "Notfallpolster" um bei kleinen Notfällen nicht ins Minus zu kommen. Und genau das sollte jeder haben, was aber leider nicht so ist. Super, dass du das Thema aufgegriffen hast!

    Liebe Grüße
    Manuela

  • #2

    Vincent (Sonntag, 15 Januar 2017 18:05)

    Danke, Manuela!
    Freut mich natürlich, dass du den Artikel als gelungen empfindet :)
    Ich glaube ich habe mein Dispo auch noch nie absichtlich benutzt.
    Es gab höchstens mal Überschneidungen bei Kontobewegungen, wo es dann ganz praktisch war, dass eine Abbuchung noch geklappt hat, obwohl erst am nächsten Tag neues Geld auf dem Konto eingegangen ist.
    Ansonsten halte ich es wie du. Der Notgroschen ist wichtig und sollte den Dispo und jegliche Ratenkredite überflüssig machen. Die Realität sieht leider anders aus.
    Aber mit unseren Blogs erreichen wir hoffentlich den einen oder anderen, der die Artikel als Ansporn nimmt, etwas zu optimieren.

    Liebe Grüße
    Vincent